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das Geheimnis von Cicacoda

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Das Geheimnis von Cicacoda

Mein Vetter mütterlicherseits schenkte mir an Ostern 1946, ich war damals zehn Jahre alt, eine mit Bindfaden verschnürte, abgegriffene alte Schachtel, auf deren Deckel das Wort Cicacoda in fast unleserlicher Schrift gekritzelt war.

Vetter Gallus, war ein hagerer grosser Mann und trug jahrein jahraus ein braunes Lodenkleid, sonntags das bessere und werktags das andere. Seine stattliche schöne Uhrkette, welche vom linken Gilettäschli zum rechten führte, musste ich als Kind stets bestaunen. Aber auch seine rote Haut und die spärlichen Haare auf der glänzenden Glatze haben mich fasziniert. Gallus, der "Rotgälli" wie Vater ihn nannte, war noch mit mehr Ungewöhnlichem gezeichnet. Unterhalb seines rechten Nasenflügels hatte er einen fingerbeeren grossen, braunen Warzenbuckel, der bei jedem mühsam gesprochenem Wort heftig auf und ab zitterte; er stotterte arg. Gallus lebte im Rheintal bei Räfis im Hause seiner Schwester, deren Mann ein Eisenbähnler war und nebenbei dem Sandholzen* nachging.

Mit ganz besonderem Eifer und können reparierte der "alt Gälli" wie wir Kinder ihn auch nannten, im hohen Alter noch Uhren und allerlei Federmotoren. In seiner einfache Altledigenkammer stand neben der Bettstatt ein grosser Tisch, der mit vielen vielen Zahnrädchen, Federn, Schräubchen und allerlei interessantem Werkzeug übersät war. Es roch ein wenig nach ÖL, Karbid und Metall. Auch ein richtiges Vergrösserungsglas, welches auf einem Ständer festgemacht war, stand immer auf seinem Tisch bereit.

Vetter Gallus war aber auch ständig auf der Suche nach Gold. Am Gonzen, einem  Berg  im Rheintal bei Sargans, sei er auch einmal fündig geworden, erzählen ältere Leute. Mitte dreissig wanderte der Gälli nach Südamerika aus, um dort der Goldsucherei nachzugehen.  Nach wenigen Jahren ist er aber wieder zurück gekommen. Er sei nicht mehr der selbe gewesen wie vorher, erzählte meine Mutter, und spinne seit dieser Zeit ein wenig, meinte sie. Auch habe er nach seinem Amerikaaufenthalt gestottert, und alle Haare seien ihm ausgefallen. Der Gälli habe halt in diesem Südamerika ein schreckliches Erlebnis gehabt, über das er aber nie sprach. Die Leute im Dorf munkelten, der Gälli müsse etwas mit einer Eingeborenen gehabt haben, und da sei auch noch Zauberei im Spiel gewesen.

.....g...g...gu gu gut vers sss..s s v.. ver..versorgen solle ich die Schachtel, und gar niemandem zeigen   s..sss.ssss..stot.tot terte er.

Die Schachtel hatte mir damals recht Angst eingeflösst, was mich mich als Kind auch hinderte, sie zu öffnen. Mutter hatte die Schachtel für mich oben auf dem Tablar in ihrem Kleiderschrank verwahrt, wo sie auch viele Jahr blieb, bis sie auf den Dachboden verbracht wurde. Als dann im Jahr 1995 das Häuschen meiner Eltern geräumt wurde, fand ich diese Schachtel wieder, sie war indessen noch  schmutziger und geheimnisvoller geworden - ich aber hatte keine Angst mehr vor ihr.

In meinem Atelier, nach über 50 Jahren, habe ich das Schachtelgeheimnis gelüftet.

Obenauf lag ein dürres undefinierbares Grasbüschel, welches zum Teil zu Staub und kleinen Stückchen zerfallen war. Behutsam entfernte ich dieses Gras. Ein schwarzes Etwas in der Grösse eines kleinen Waschlappens, welches sich dann als hartes Leder mit eigenartig eingeritzten Zeichen entpuppte, kam zum Vorschein. Briefe in altdeutscher Schrift, fünf verblichene Fotografien aus den Anfängen dieser Technik, eine Haarspange und verschiedene Aufzeichnungen, ähnlich wie solche eines Archäologen, waren eingewickelt in Stoff.

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